GERMAN DOCTORS

My body my right

Schutz vor weiblicher Genitalverstümmelung

Das Projekt schützt Mädchen und junge Frauen in Sierra Leone vor weiblicher Genitalverstümmelung, stärkt ihre Bildung und begleitet sie medizinisch und psychosozial. Gleichzeitig werden Familien, Schulen, Dorfgemeinschaften und ehemalige Beschneiderinnen in einen langfristigen gesellschaftlichen Wandel einbezogen.


Das Projekt auf einen Blick

  • Schutz von Mädchen vor weiblicher Genitalverstümmelung
  • Schulbildung, medizinische Versorgung und psychosoziale Begleitung
  • Aufklärung an Schulen und in den Dorfgemeinschaften
  • Alternative Einkommensmöglichkeiten für Familien und traditionelle Beschneiderinnen


Gewalt mit lebenslangen Folgen

Weibliche Genitalverstümmelung, international als Female Genital Mutilation oder FGM bezeichnet, ist in Sierra Leone weiterhin verbreitet. Der Eingriff kann schwere körperliche und psychische Folgen haben und verletzt die grundlegenden Rechte der betroffenen Mädchen.

Mögliche Folgen reichen von akuten Verletzungen und Infektionen bis zu chronischen Schmerzen, Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sowie langfristigen seelischen Belastungen.

Das Projekt „My Body – My Right“ setzt deshalb nicht nur bei der medizinischen Unterstützung einzelner Betroffener an. Es verbindet Schutz, Bildung, Aufklärung und wirtschaftliche Stärkung miteinander.


Schutz und Begleitung der Mädchen

Mädchen und junge Frauen aus dem Distrikt Bo werden in Zusammenarbeit mit lokalen Stellen medizinisch und psychologisch begleitet. Besonders gefährdete Mädchen erhalten langfristige Unterstützung und werden in ihrer schulischen Entwicklung gefördert.

Alle 800 geförderten Mädchen blieben während der ersten Projektphase in der Schule und erzielten konstant gute Leistungen. Zum Abschluss dieser Phase hatte eine Schülerin bereits ihren Schulabschluss erworben, 25 junge Frauen studierten, 578 besuchten eine Sekundarschule und 196 eine Grundschule.

Die fortgesetzte Schulbildung ist ein entscheidender Schutzfaktor. Sie verringert das Risiko von Frühverheiratung und Schulabbrüchen und verbessert langfristig die Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben.


Medizinische Versorgung und Gesundheitswissen

Die betreuten Mädchen erhalten regelmäßige medizinische Aufklärung und Versorgung. Dazu gehören Informationen über Hygiene, Krankheitsprävention und die gesundheitlichen Folgen von FGM.

Das Projekt bietet außerdem eine umfassende Betreuung für Betroffene sexueller Gewalt. Ein Mädchenhaus schafft Schutz für missbrauchte oder schwangere Mädchen, die in ihrem bisherigen Umfeld nicht ausreichend versorgt oder geschützt werden können.


Aufklärung an Schulen

Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Präventionsarbeit an Schulen. In 90 Schulen wurden Versammlungen genutzt, um über die Gefahren weiblicher Genitalverstümmelung zu informieren.

Auf diese Weise wurden mehr als 31.500 Schülerinnen und Schüler erreicht. Die Mädchen übernehmen dabei zunehmend selbst Verantwortung und wirken als Peer-Leaderinnen. Sie geben Wissen weiter, stärken andere Mädchen und tragen dazu bei, das Schweigen über FGM zu durchbrechen.


Familien wirtschaftlich stärken

Armut und wirtschaftliche Abhängigkeit können dazu beitragen, dass schädliche Traditionen fortgeführt werden. Das Projekt unterstützt deshalb auch die Eltern der geförderten Mädchen beim Aufbau eigener Einkommensmöglichkeiten.

60 Prozent der beteiligten Eltern gründeten kleine Unternehmen. Die übrigen 40 Prozent waren ebenfalls in einkommensschaffenden Aktivitäten tätig. Dörfliche Spargemeinschaften konnten Rücklagen von insgesamt mehr als 168.000 Sierra-leonischen Leones bilden.

Die wirtschaftliche Stärkung der Familien verbessert ihre Fähigkeit, Schulbildung, Versorgung und Schutz der Kinder langfristig selbst zu sichern.


Neue Perspektiven für traditionelle Beschneiderinnen

Traditionelle Beschneiderinnen, sogenannte Soweis, verfügen durch ihre gesellschaftliche Rolle häufig über Einfluss und Ansehen. Gleichzeitig kann ihre wirtschaftliche Existenz mit der Durchführung von Beschneidungen verbunden sein.

Das Projekt bietet deshalb alternative Lebensgrundlagen an. 600 Soweis wurden landwirtschaftlich geschult und bauen heute Getreide und Gemüse an, das sie selbst vermarkten können.

Viele von ihnen engagieren sich inzwischen als Botschafterinnen gegen FGM. Eine nationale Konferenz der Soweis machte sichtbar, dass gesellschaftliche Anerkennung und Einkommen auch ohne die Durchführung von Genitalverstümmelungen möglich sind.


Gemeinschaften einbeziehen

In einer jährlichen Mädchenkonferenz diskutierten junge Frauen gemeinsam mit rund 100 lokalen und nationalen Akteurinnen und Akteuren über FGM, Bildung und die Rechte von Mädchen.

Eltern wurden durch Schulungen zu Erziehung und Unternehmensführung gestärkt. Gemeinden, Schulen und lokale Verantwortliche erhielten Informationen und konkrete Handlungsmöglichkeiten.

Das Partnernetzwerk PAHTP ist inzwischen in drei Distrikten aktiv. Es sensibilisiert die Bevölkerung, dokumentiert Verdachtsfälle und leitet diese an Polizei und zuständige Stellen weiter.


Entwicklung des Projekts

German Doctors startete das Projekt im Jahr 2020 zunächst mit 200 Mädchen. Die Stiftung Caritas-Haus Feldberg stellte damals Mittel bereit, um weitere 30 Mädchen aufzunehmen, und übernahm deren Förderung zunächst für zwei Jahre.

Durch zusätzliche Unterstützung, unter anderem von Swiss Doctors, konnte das Programm erheblich ausgeweitet werden. Die Zahl der betreuten Mädchen stieg zunächst auf 600 und später auf 800.

Im Jahr 2022 ermöglichte eine erneute Förderung die Aufnahme weiterer Mädchen und Familien. In den Jahren 2023 und 2024 unterstützte die Stiftung die Fortführung des Projekts jeweils mit 15.000 Euro. Im Jahr 2025 wurde die erste Projektphase erfolgreich abgeschlossen.


Warum Förderung wichtig ist

Das Projekt erzielt Wirkung auf mehreren Ebenen. Es schützt einzelne Mädchen, ermöglicht Bildung, stärkt Familien wirtschaftlich und verändert gesellschaftliche Einstellungen.

Die bisherigen Erfolge zeigen, dass nachhaltige Veränderungen möglich sind, wenn medizinische Hilfe, Bildung, Aufklärung und wirtschaftliche Perspektiven miteinander verbunden werden. Gleichzeitig übersteigt die Nachfrage nach Betreuung weiterhin die verfügbaren Angebote.

Zusätzliche Fördermittel ermöglichen es, weitere Mädchen zu schützen, Familien zu begleiten und die Präventionsarbeit auf zusätzliche Schulen und Gemeinden auszuweiten.

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